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Lebensgeschichten

Angefangen hat alles vor ein paar Jahren, ich weiß nicht mehr genau, aber ich denke 5 Jahre sind es jetzt. Damals war ich sehr in einen Jungen aus der Oberstufe verliebt und mit meinem „kindlichen Eifer“(süße 13 war ich^^) hab ich mich immer weiter in Sachen hineingesteigert. Wir hatten nur kurz Kontakt, ein- zweimal telefoniert, danach brach aber alles ab, weil ich mich nicht getraut hatte noch einmal anzurufen. Ich war sehr schüchtern, hab mich nicht einmal getraut mir selbst ein Eis zu kaufen. Da fing es an, ich machte mir selbst Vorwürfe. Hätte ich ihn angerufen oder mich getraut ihn anzusprechen, wäre vielleicht etwas daraus geworden. Es begann mit seinen Initialen in meinem Arm.

Das war eine sehr große Enttäuschung für mich, über die ich ehrlich gesagt jetzt auch noch nicht ganz hinweg bin.

In meiner Familie bin ich das jüngste von 3 Kindern. Meine große Schwester hat immer gesagt, ich wäre das Lieblingskind und würde immer bevorzugt. Das tat weh, auch wenn’s vielleicht so war. Mein großer Bruder hat einmal mit einer Schere nach mir geworfen, die dann 2 cm von meinem Gesicht in der Wand stecken blieb. Da hab ich ihn wohl genervt, ich weiß nicht mehr genau, warum er das getan hat. Zu lange her. Und immer war ich an allem Schuld, egal was war. Ich kann mich noch gut an die eine Szene erinnern, ich war vielleicht 5 Jahre alt, da kam mein Vater wutentbrannt und schrie uns alle 3 an, wer denn Steine an sein Auto geworfen hätte. Ich war dann natürlich die Dumme, keiner hat mir geglaubt.

Mein SVV war anfangs nur einfaches Gekratze, nicht schlimmes. So Muster und so’n Scheiß.

Richtig geschnitten hab ich dann, als mit meinem ersten richtigen Freund Schluss war. Es war ein Ende mit Schrecken. Einer unserer damaligen „Kumpels“ hatte mich in der Abwesenheit meines Freundes total abgefüllt und etwas ins Bier hineingetan, damit ich schön schlafe. Und als ich mich dann nicht mehr bewegen konnte, hat er mich in eine Abstellkammer geschleppt, mich ausgezogen und wollte sich an mir vergehen. Aber bevor er das tun konnte, kam mein Freund, der von anderen benachrichtigt worden war. Den Typen hab ich angezeigt, er hatte das gleiche mit meiner besten Freundin gemacht, nur bei ihr hatte er Glück. Leider wurde er freigesprochen. Weil ich angeblich mit gemacht hätte, wovon ich leider nichts weiß. Wieder ein Fall von „Keiner glaubt mir!“. Mein Freund trennte sich von mir, wegen seinen Eltern, die mich als Schlampe bezeichnet hatten und ihn dazu gezwungen haben.

Meine Eltern haben mir dann verboten mich mit meiner besten Freundin zu treffen, weil sie mich ja da hineingezogen hätte, was ich bis jetzt noch nicht einsehe. Ich habe nie auf das Verbot gehört, habe heimlich bei ihr geschlafen, bin auch Patentante ihrer kleinen Tochter.

Da find es an mit tiefen Schnitten, die eigentlich hätten genäht werden müssen. Aber ich hab sie versteckt. Es dauerte teilweise Monate, bis eine einzige Wunde verheilt war. Mit Schnee habe ich meinen Arm betäubt, um noch tiefer schneiden zu können. So habe ich mir auch etwas Fleisch unbeabsichtigt, „heraus“ geschnitten. So viel Blut habe ich seit dem nicht mehr gesehen. Als ich dann versucht habe, mich umzubringen, ist es meiner Mutter aufgefallen. Sie ist dann mit mir zu einer Bekannten, die Psychologin war gegangen. In Tränen aufgelöst hat sie mich dort angefleht, so etwas nie wieder zu tun. Das hab ich auch nicht. Denn da habe ich gemerkt, wie sehr ich gebraucht werde.

Und trotzdem fühlte ich mich weiter unverstanden, allein, einsam, ungeliebt. Ich weiß nicht warum.

Irgendwann habe ich dann einen Seelenverwandten gefunden, in Form eines Katers. Klingt doof, is aber so. ER hat mich verstanden, auch wenn er nicht mit mir sprechen konnte. Hat mich immer getröstet, wenn ich schlecht drauf war. Hat mich sogar vom Schneiden abgehalten. Dann ist er überfahren worden und wieder war ich allein. Ich vermisse ihn jetzt noch. Auch wenn er schon über 3 Jahre weg ist.



Aber jetzt, jetzt ist alles anders. Seit über 15 Monaten habe ich einen Freund, den ich über alles liebe und der mich auch liebt, auch wenn er mich mehr als oft zur Weißglut treibt. Bei ihm ist es auch so der Fall, dass ich immer an allem Schuld bin. Auch wenn es gar nicht so ist, sage ich, er hat recht, aber insgeheim bin ich wütend. So wütend, dass ich schon oft mein Handy in irgendwelche Türen oder auf die Straße geschmettert habe, weil ich die Anspannung einfach nicht mehr ausgehalten habe. Ich will das nicht an ihm auslassen, das habe ich einmal fast getan, als wir uns gestritten haben. Ich war außer mir vor Zorn. Ich wusste nicht mehr, was ich sage oder tue. Da hab ich ihm gedroht ihm eine rein zuschlagen (*hüstl*). So kannte weder er noch ich mich.

Ich habe schneide mich seitdem ich mit ihm zusammen bin nur einmal geschnitten. Das war als er meine Narben gesehen hat und sagte, solche Menschen, die sich selbst verletzen können, sind nicht normal, gehören alle in die Klapse, etc. Ich wusste nichts darauf zu sagen. Als er weg war, habe ich mir tief in den Arm geschnitten. Bei unserem nächsten Streit (*lala*) habe ich ihm das dann unter die Nase gehalten und gesagt, dass er nicht mal versucht mich zu verstehen, mich ständig verletzt und es nicht mal merkt. Daraufhin war „Schluss“, weil er meinte, er kommt mit sich selbst nicht klar. Aber nicht lange darauf, kam er wieder. Zum Glück. Solche ähnlichen Sachen haben sich schon oft wiederholt. Er kam immer wieder.



Ich weiß nicht warum, aber dieser Junge lässt mir nicht einmal Zeit mich zu schneiden. Er ist immer da. Egal wo ich bin. Er hält mich am Leben. Wenn unsere Beziehung jemals in die Brüche geht, ist alles für mich verloren. Dann fängt alles von vorne an. Nur noch tausendmal schlimmer.



Ich bin froh, dass ich mich nicht mehr so offensichtlich verletze. Aber leider hab ich immer noch das Gefühl, dass ich den Schmerz manchmal einfach brauche. Ohne, dass ich es überhaupt merke, kratze ich mich, reiße mir Haare aus und so was. Das kann ich aber nicht abstellen.

Und oft, wenn ich von anderen Menschen die Geschichten lese oder höre, werde ich depressiv, weiß aber trotzdem, dass ich nicht allein bin. Ich bin sehr anfällig, habe oft Depressionen. Blöd, dass ich eine Seminarfacharbeit mit dem Thema „Autoaggression“ schreibe. ^^



So, jetzt habe ich auch endlich mal alles aufgeschrieben. Wollte ich schon lange machen, habe mich aber nie getraut, es jemanden vor die Nase zu legen, aus Angst ich werde ausgelacht.

Aber ich habe es getan.


Verfasser: Faith666
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