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Lebensgeschichten

Ich erinnere mich. Schon als kleines Kind habe ich mir immer di ganzen Arme angemalt, habe gerne mit Messern und heissen Flammen gespielt. Dies ging bis in die 6te Klasse, dort kam ich durch einen Rekruten der sich den Namen seiner Freundin eingeritzt hatte auf die Idee mich zu schneiden. Es wurde 2 Jahre lang immer Schlimmer, immer mehr. Am Anfang in grossen Abständen, bis ich zuletzt jeden Tag 3 mal Kerzenwachs über meine Arme goss und mich allenfalls noch schnitt. 2 mal wollte ich mir die Pulsadern aufschneiden, hab es aber unterlassen und mir jeweils einmal links und einmal rechts den ganzen unterarm hinauf geschnitten. Meine Schnitte waren nie tief, ich hatte mich soweit unter Kontrolle das ich mich nur oberflächlich verletzte. Irgendwann begann ich zu begreifen das ich krank bin und suchte im Internet nach anderen Menschen die so waren wie ich. Kurz darauf hatte ich einige Zusammenbrüche, meine Eltern fanden mich weinend im Bett, sie konnten mich nicht beruhigen und ich konnte nicht sprechen. Ich zog mich immer weiter zurück, ich liess mich weniger blicken, erzähle weniger, sog mir allen möglichen traurigen Darkwave aus dem Internet und las nur noch traurige Gedichte. Ich begann die Nachte bewundernd selber Gedichte zu schreiben.
Ich war zu schwach um zu sagen das ich Hilfe brauche. Zu schwach, Stolz hatte ich keinen mehr, den begann 9ch gerade aufzubauen, er war plötzlich wie eine Rettungsinsel, mein Stolz. In der neuen Schule hatte ich auch ehr Probleme. Ich sagte meiner Mutter ich wolle die Schule wechseln, ich konnte einfach nicht mehr. Uns wurde geraten zum Schulpsychologen zu gehen. Als wir dann den Termin hatten weinte ich nur, ich konnte kaum sprechen in diesen Tagen, meine Mutter erzähle das meiste, von meinem Grosvater der sich erhängt hatte, 2 weitere Grossonkel die Selbstmord begingen, von meinem Schizophrenen Grossonkel bei dem wir gewohnt hatten, von der leicht Depressiven Verwandtschaft, das ich als Kind zu viele Gespräche mit angehört hatte und ich mich für „Gothic“ interessiere. Doch ich weinte nur.
Der Schulpsychologe leitete mich als NOTFALL direkt ans KJDP (Kinder und Jugend Psychiatrischer Dienst) weiter, er rief sie noch während unserem Termin an.
Ich hatte einen weiteren Zusammenbruch am selben Nachmittag in der Schule, danach konnte ich einige Tage zuhause bleiben, bis wir den Termin im KJPD hatten.
Etwa seit Weihnachten 03 bin ich jetzt in Therapie. Ich habe mich sehr verändert. In diesem halben Jahr ist viel passiert. Ich habe mich sofort weniger verletzt als ich Hilfe angenommen hatte, ich konnte frei entscheiden ob ich in Therapie will und ich wollte. Meine Eltern haben extrem blöd geguckt das ich als Notfall behandelt worden bin, aber mir war es egal, ich war einfach nur froh das es jemand erkannt hatte, denn ich war ja zu schwach um etwas zu sagen.
Am vorletzten Schultag habe ich mich das letzte mal verletzt, tiefer als je zuvor, und seither nicht mehr. Das ist jetzt 4 Monate her. Oftmals habe ich das Gefühl mich verletzen zu wollen, Blut zu schmecken, ich lasse dieses Gefühl das einfach „im Raum stehen“, ich akzeptiere es, lasse es existieren, aber ich gebe dem Drang nicht nach. Ich habe gelernt damit umzugehen, und je mehr ich mich ihm nicht ergebe, umso schwächer wird der Drang.
Ich hoffe ich werde mich eines Tages ganz davon lösen können, und ich hoffe das noch viele Menschen so eine Besserung erfahren wie ich. Es macht uns stark, wir sehen eine andere Seite des Lebens, es macht uns um einige Erfahrungen reicher. Selbst das SVV sollten wir als Geschenk annehmen, und daraus lernen. Alles hat seinen Zweck, ich habe gelernt meinem Leben selber einen Sinn zu geben. Toitoitoi an alle die in dieser Situation sind, IHR KÖNNT ES SCHAFFEN!!!

Verfasser: Astrid
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