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Erfahrungsberichte

Ich kann nur hoffen, dass das, was ich jetzt schreibe, dem einen oder anderen hilft. Ich bin 15 und habe nur kurze Zeit geritzt. Warum ich das getan habe, kann ich nicht genau sagen, aber ich glaube, ich wollte einfach meinen inneren Schmerz ausdrücken, nach aussen zu bringen, weil ich anders nicht konnte bzw. nicht kann. Ich war ziemlich verzweifelt und wusste nicht, wie ich mit meinen Problemen, die aus Schule (Mobbing), Stress mit den Eltern und natürlich hauptsächlich Stress mit mir selber bestanden, fertig werden sollte. Durch die ewigen Hänseleien meiner Mitschüler, gegen die ich mich seit der fünften Klasse zu wehren versuche, habe ich "gelernt" eine Mauer um mich zu bauen und niemanden mehr an mich heranzulassen. Zum Glück habe ich eine beste Freundin, die es geschafft hat, die Mauer zu durchbrechen und die für mich da ist. Trotzdem fiel es mir immer schwerer morgens aufzustehen und in die Schule zu gehen. Doch auch zu Hause bleiben wollte ich nie, weshalb ich mich durch die Schulzeit gequält habe.
Wenn ich mittags nach Hause kam, war es jedoch nicht besser. Mein Vater ist nie anzutreffen und mit meiner Mutter verstehe ich mich sehr schlecht. Meine kleine Schwester, die jetzt 9 ist, ist der absolute Liebling meiner Mutter, was das Ganze noch erschwert.
Also habe ich immer, wenn ich nach der Schule nach Hause kam, das Messer genommen. Nach einiger Zeit kam meine beste Freundin dahinter und versuchte es mir auszureden. Sie hat mich gebeten, mir Hilfe zu suchen. Es hat mich sehr lange Zeit gekostet, um diesen Schritt in Angriff zu nehmen. Doch dann bin ich zum Schulpsychologen gegangen und habe mit ihm gesprochen. Er hat mir den totalen Schock versetzt, als er sagte, er würde gerne mit der Klinik reden. Ich habe mich gegen diesen Gedanken geweigert, doch er hat trotzdem mit den Leuten der Klinik gesprochen und sogar meine Eltern informiert.
Das waren die wohl schlimmsten Tagen meines Leben, in denen ich oft zum Messer gegriffen habe.
Durch Schauspielerei und Lügen habe ich es geschafft, dem Klinikaufenthalt und nachher sogar der psychiatrischen Behandlung zu entziehen, was ein Fehler war, denn jetzt merke ich, wie schwer es ist, damit aufzuhören und ich weiss, dass ich es nicht mehr lange ohne das Messer aushalten werde und dass ich die Panikattaken und dass mich zu Hause alle für verrückt erklären, nicht mehr lange ertrage.
Ich sitze fast jeden Tag in meinem Zimmer, das Messer in der Hand und versuche, mich dagegen zu wehren. An anderen Tagen sitze ich da und bete, dass Gott mich zu sich nimmt. Ich kann nicht sagen, was ich schlimmer finde, ich weiss nur, dass es sich dringend ändern muss.
Ich kann euch nur raten, jede Hilfe, die ihr bekommen könnt, die euch angeboten wird, anzunehmen, denn nur so, glaube ich, kann man es wirklich schaffen. Alleine wird es nur noch schwerer, als es ohnehin schon ist.
Ich wünsche euch viel Glück, Freunde, die euch beistehen und für euch da sind und Hoffnung, die Hoffnung auf bessere Zeiten und die Hoffnung auf Liebe.

Verfasser: Michelle
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